Vereinschronik
Der Männergesangverein 1868
Wenn wir in diesem Jahr das 125-jährige Jubiläum unseres Vereines feiern dürfen, so ist es das Verdienst jener Jöhlinger Bürger, die im Jahre 1868 den Männergesangverein ins Leben gerufen haben. Sehr schnell erfreute sich der Verein starken Zuspruchs, zumal er sich auch als Kirchenchor betätigte. Schon in den Anfangsjahren zählte er nahezu 100 Sänger, Bereits 1881 wurde die erste Fahnenweihe begangen. Eine zweite Fahne wurde 1897 geweiht. Der Übertritt vom Deutschen Sängerbund zum Arbeitersängerbund im Jahre 1905 war Anlaß, daß ein Teil der Sänger ausschied und den Kirchenchor Cäcilia gründete. Ab diesem Zeitpunkt trug der Verein den Namen „Arbeiter-Männergesangverein". Durch den Ersten Weltkrieg wurde die aktive Sangestätigkeitunterbrochen. Viele Sänger kehrten nicht wieder vom Kriege zurück. Der Chor erholte sich jedoch schnell. Am 12. Juni 1929 wurde das 60-jährige Jubiläum, verbunden mit der dritten Fahnenweihe gefeiert. Diese Fahne ist noch heute in unserem Besitz. Das Jahr 1933 bedeutete für den Arbeiter-Männergesangverein das Aus. Das Vereinsvermögen, das gesamte Inventar, vor allem aber die Vereinsprotokolle gingen verloren. Die 1929 geweihte Fahne jedoch, konnte unser Sänger Emil Günthner bis zum Kriegsende verbergen und uns so erhalten. Hierfür gebührt ihm über den Tod hinaus Dank und hohe Anerkennung.
Der Gesangverein Frohsinn
Am 7. Januar 1883 gründeten junge, am Gesang interessierte, Männer den „Gesangverein Frohsinn". Das nachfolgende Foto entstand bei der Gründung. Aus dem heute noch vorliegenden Gründungsprotokoll (Teilauszug siehe nachfolgendes Foto) geht hervor, daß beim bestehenden Männergesangverein nur Männer aufgenommen wurden, die ihren Militärdienst absolviert hatten. So kam es zur Gründung eines zweiten Gesangvereins in Jöhlingen. Aus den anfangs 35 Sängern wurde sehr schnell ein gut besetzter Chor, der sich bei vielen Gesangswettstreiten hohe Auszeichnungen und Anerkennung erwarb. Die erste Fahnenweihe wurde am 12. Juli 1896 gefeiert. Die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum fanden am 30. Mai 1908 statt. Der Erste Weltkrieg unterbrach den Singstundenbetrieb. 17 Mitglieder mußten im Krieg ihr Leben lassen. Dem Kriegsende folgte bald die Inflationszeit, in die der Zeitpunkt des 40-jährigen Jubiläums fiel. Statt dessen feierte man vom 16. bis 18. Mai 1925 das 42. Jubiläum, bei dem die zweite Fahne ihre Weihe fand. Diese Fahne ist heute noch unser Wegbegleiter. Von diesem Jubiläum zeugt das folgende Bild. Anläßlich des 50-jährigen Jubiläums am 11. Juni 1933 fand unter der Regie des Vereins das 1. Freundschaftssingen der Pfinztalgruppe statt. In den Folgejahren fanden einige Chorleiterwechsel statt, bis 1941 Herr Emil Haberstroh als Lehrer an die Jöhlinger Schule versetzt wurde und sofort die musikalische Leitung übernahm. Durch den inzwischen ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg im September 1939 ruhte der Singstundenbetrieb bis 1941 und ab April 1944 völlig.
Der Männergesangverein Frohsinn 1868
Sehr bald nach Kriegsende 1945 war man am Zusammenschluß des zwangsaufgelösten Arbeiter-Männergesangvereins und dem Gesangverein Frohsinn bestrebt. Am 17. Februar 1946 wurde dieser in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen. Als neuer Name wurde „Männergesangverein Frohsinn" festgelegt. Hierbei wurde auch beschlossen, daß als Gründungsjahr das des ältesten Vereines gelten soll. Diese Einigung brachte breite Zustimmung im Mitgliederkreis und wirkte sich sehr zum Wohle des
Männergesanges aus. Am 23. Februar 1946 fand die erste gemeinsame Singstunde statt. Die darauffolgenden Jahre brachten dem Verein einen nie zuvor gekannten Aufschwung. Alleine im Jahre 1947 zählte man 76 Eintritte. Die aktive Sängerzahl erreichte ihren Höchststand mit 120 Mann im Jahre 1952. Mit diesem leistungsstarken Chor verstand es der bewährte Chorleiter Haberstroh, sowohl mit alter als auch neuer und moderner Chorliteratur bei Wertungssingen, Kreiskonzerten, aber auch bei Vereins- und Kirchenkonzerten allerhöchste Leistungen und Auszeichnungen zu erzielen. Dies wiederum war Ansporn und Leistungsanreiz bei der begeisterten Sängerschar. Auch die anschließend tätigen Dirigenten, Herr Norbert Speck, Herr Grossmüller und Herr Walter Schweikert, konnten auf diesem hohen Niveau den Chor immer wieder zu neuen großen und beachtlichen Erfolgen führen. Das 100-jährige Bestehen des Vereines wurde vom 14. bis 16. Juni 1968 gefeiert. Hierbei wirkten neben den örtlichen Kulturvereinen die Chöre der Sängergruppe Pfinz und auch viele befreundete Chöre der Umgebung mit. Höhepunkt war das in sehr hohem Niveau veranstaltete Jubiläumskonzert am 15. Juni 1968.
Der Frauenchor
Zum 110-jährigen Jubiläum 1978 wurde im November 1977 ein Frauenchor, der überwiegend aus Angehörigen von Sängerfamilien bestand, gegründet. Er zählte insgesamt 36 Sängerinnen (siehe nachfolgendes Foto). Bereits bei den Jubiläumsveranstaltungen vom 19. bis 21. Mai 1978 präsentierte sich der Chor mit z.T. anspruchsvollen Liedern und auch als Gemischtchor dem Publikum. Was für manchen Sänger anfangs noch etwas Ungewohntes war, hat sich sehr bald als richtige Entscheidung erwiesen. Die Palette unseres musikalischen Repertoires hat sich mit dem Frauen- und Gemischtchor wesentlich erweitert. Bei der Generalversammlung im März 1983 wurde eine Namensänderung in „Gesangverein Frohsinn 1868 e. V. Jöhlingen" beschlossen. Im Verlauf der Jahre erreichte der Frauenchor durch intensive Schulung ein beachtliches Niveau, was auch zur Folge hatte, daß sich weitere Frauen dem Chor anschlossen und dieser so die Chorstärke des Männerchores erreichen konnte. Mit dem 120-jährigen Vereinsjubiläum vom 13. bis 15. Mai 1988 wurde das 10-jährige Bestehen des Frauenchores begangen. Hiermit war ein Frauenchortreffen am 14. Mai 1988 verbunden. Im Anschluß an dieses Fest ging die musikalische Leitung in die Hände von Herrn Peter Bollheimer über. Mit ihm haben wir einen jungen, dynamischen Dirigenten gewonnen, der mit dem altbewährten und auch dem modisch-neuen Liedgut beiden Chören neuen Schwung und Elan verliehen, und das Leistungsvermögen in Konzerten und bei Wertungs- und Freundschaftssingen unter Beweis gestellt hat.
Wir unter uns
Neben den leistungsorientierten Auftritten bei Wertungs-, Prädikat- und Preissingen und den vielen Konzertveranstaltungen, mit denen der Chor sein Können nach außen unter Beweis stellte, fanden, immer wiederkehrend, viele gesellige Veranstaltungen im eigenen Kreise statt. Tradition waren Weihnachtsfeiern, bei denen neben Chorgesang auch humoristische Vorträge, Theaterstücke, und in den 20er und 30er Jahren Opern und Operetten aufgeführt wurden, und das fast ausschließlich mit vereinseigenen Kräften. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Darbietung von Operetten nochmals für einige Jahre auf, wurde dann aber durch die Veranstaltung von Bunten Abenden, bei denen z. T. auch fremde Künstler mitwirkten und die auch für die breite Öffentlichkeit bestimmt waren, abgelöst. Ebenfalls nach Kriegsende kamen Faschingsabende in Mode, denen sich die Vereinsführung sofort anschloß und für die Sänger und deren Familien Sängerabende arrangierte, die sich sehr schnell großer Beliebtheit erfreuten. Auf großes Interesse stießen die ein- und mehrtägigen Vereinsausflüge und in besonderem Maße die in die nähere Umgebung führenden Wandertage. Im Zuge der Gestaltung der Sängerabende und der Bunten Abende und der in letzter Zeit wieder ins Leben gerufenen Weihnachtsfeiern bildeten sich in lobenswerter Weise innerhalb der beiden Chöre spezialisierte Gruppen für die einzelnen Darbietungen, so der Rhythmuschor, die Theatergruppe, die GV-Balette, Gesangssolisten, Texter und auch eine Jugendgruppe. Sie alle haben sich in selbstloser Weise engagiert, um die ganze Sängerfamilie zu unterhalten und ihr viele, frohe Stunden zu bereiten. Alle diese Veranstaltungen forderten sowohl von der jeweiligen Vereinsführung, den verantwortlichen Dirigenten, als auch von den Akteuren sehr hohe Einsatzbereitschaft, verbunden mit viel Einfallsreichtum und gleichzeitigem Verzicht auf einen Teil ihrer persönlichen Freizeit. Sie alle verdienen höchste Anerkennung und für ihren uneigennützigen, persönlichen Einsatz, der dem Wohle des Vereins und aller Mitglieder gewidmet war, den besonderen Dank aller Mitglieder. Schlußbetrachtung Mit Stolz und Befriedigung können wir auf eine 125-jährige Tradition zurückblicken, die der Pflege des Chorgesanges gewidmet war, in der Frauen und Männer mit Freude und Tatkraft auch einen Beitrag für das kulturelle Leben in der Gemeinde erbracht haben. Es bleibt zu hoffen, daß es uns auch künftig immer wieder gelingen möge, sangesfreudige und begabte Menschen für diese schöne, musische Freizeitgestaltung zu begeistern. Zum Schluß danken wir all den Sängerinnen und Sängern und allen Mitgliedern für die langjährige Treue und Mitarbeit. Besonderen Dank und hohe Anerkennung gilt den heutigen und früheren Trägern und Verantwortlichen, in der Hoffnung, daß sich auch künftig immer wieder Frauen und Männer für diese für den Verein lebensnotwendigen Aufgaben finden werden. Gleichwohl bedanken wir uns bei unseren bisherigen und besonders bei unserem jetzigen Dirigenten, Herrn Peter Bollheimer, für das stets engagierte Wirken zum Wohle unseres Vereins.
Werner Dehm